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Wie ich zu meinem Porsche 944 kam – Teil 2…

Nachdem ich in Teil 1 dieser dreiteiligen Artikelserie beschrieben habe, wie die Suche nach dem 924 meines Vaters verlaufen ist, folgt hier nun endlich die Fortsetzung, in der wir meinem Porsche 944 schon ein ganzes Stück näher kommen.

Vielen Dank auch an all die Leserinnen und Leser des ersten Teils und den reichlich positiven Zuspruch!

Habt auch Ihr solche Geschichten auf Lager und möchtet diese mit Gleichgesinnten teilen und für die Nachwelt aufbewahren? Dann schreibt uns unter servus@grundehrlich.de

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Wie ich zu meinem Porsche 944 kam
"DA IST DAS DING, DA IST DAS DING!" - (Prophet und Universalgenie Oliver Kahn, Mai 2001; Maschinenbau-Aspirant und Möchtegern-Hobbyschrauber Jonas, Juni 2016)

Nach wochenlanger Odyssee rund um die Suche des längst verloren geglaubten 924 fielen mir keine anderen Worte ein, als ich nach mehr als 15 Jahren den ersten Blick auf den alten Gefährten werfen konnte. Und dann noch dieser unglaublich gute Zustand! Als ob wir ins Jahr der Erstauslieferung – 1981 – zurückgebeamt worden wären. Alles glänzt, Innenraum top erhalten, Armaturenbrett ohne den kleinsten Riss! – Kleiner Spaß am Rande. Man soll ja bekanntlich lachen, wenn’s zum weinen nicht reicht. Obwohl, wenn ich mir das Bild hier so anschaue, hätte es vermutlich schon auch zum Weinen gereicht.

Wie ich zu meinem Porsche 944 kam

Schon auf einer Distanz von ca. 15 Metern lässt sich das Trauerspiel erahnen. Der Liebesentzug, den er erleiden musste. All die Jahre als treuer, verlässlicher Begleiter – und dann das. Geparkt in der letzten Ecke eines Carports auf einem alten Autohof. Die schmale, zärtliche Shilouette, umringt von Resten eines Wellblechdachs. Die einst wunderschöne und so seltene Zweifarbenlackierung, bedeckt von einer Staubschicht, die so aussieht, als bräuchte man ein Team ausgebildeter Archäologen, um das Auto freizulegen. Neben den Kreuzspeichen-Felgen und der Turbo-Haube hat man ihn auch der originalen Stoßstange mit Schweinwerferreinigungsanlage beraubt. Je weiter ich mich nähere, desto schlimmer wird es. Welle, Delle, Beule – alles da, soweit das Auge reicht. Der Lack ist an mehreren Stellen stark beschädigt, der Außenspiegel auf der Beifahrerseite fast gänzlich …

Wie ich zu meinem Porsche 944 kam

Make Pasha great again

Es folgt der Blick in den Innenraum: Tür auf – Nase rein – Muff raus – Tür zu. “Pahhhh”. Tief Luft holen, zweiter Versuch. Tür auf, Schritt zurück, kurz warten, geht. Alles da, bis auf die Armlehne mit Kasettendeck. Aber dieser Zustand. Die Sitze haben gelitten, Pascha und Vinyl haben beschlossen, nach über dreißig gemeinsamen Jahren doch lieber getrennte Wege zu gehen. Das Armaturenbrett ist von Rissen durchzogen wie ein ausgetrockentes Flussbett nach jahrzehntelanger Klimaerwärmung. Die fehlende Feuchtigkeit hat sich dafür woanders niedergeschlagen. Den Dachhimmel, Teile der Sitze und des Fußraums überzieht ein feiner Schimmelflaum in den schönsten Farben der … – Die Quelle des üblen Geruchs. Ich trete einen Schritt zurück, schnaufe abermals durch.

Uff. Leichte Bauchschmerzen machen sich breit.

Wie ich zu meinem Porsche 944 kam

Ich setze mich rein, mache die Tür zu und genieße für einen Moment dieses unbeschreibliche Gefühl – abgeschottet von der Außenwelt, Blick auf die drei Rundinstrumente, absolute Stille. Ich schließe die Augen und genieße. Ich versetze mich zurück in die Zeit, als ich noch …

und durchlebe die vielen schönen Momente die ich mit diesem ganz speziellen Auto verbinde.



Der Pascha-Sitz scheint mich zu verschlingen, zieht mich immer tiefer in das Auto, als ob es sagen wollte: "Bitte, bitte steig nie mehr aus".

Die Holzmaus

Aber dann, der Hoffnungsschimmer: die Maus im Zigarettenanzünder ist noch da, wo sie zurückgelassen wurde! “Darf ich die haben, bitte?”, frage ich, wie damals als kleiner Bub beim Metzger an der Theke, als es eine Scheibe Gelbwurst umsonst gab (DAS waren noch Zeiten).

 

Ich beiße mir auf die Unterlippe, blinzle zweimal und fange an zu überlegen, wie es weitergehen kann.

 

Noch mal kurz über die Schulter schauen, bevor ich zurück in meinen Golf IV steige.

 

– Fortsetzung folgt…


Jonas

 

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